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Defashioning Education - A Critical Thinking and Making Conference

Wann

15.–16. September 2023

Wo

Konzertsaal der Universität der Künste Berlin, Straße des 17. Juni / Fachbereich Modedesign und online

Lehrende

u.a. Sandra Niessen, Otto von Busch, Sunny Dolat, Christina H. Moon, Colectivo Malvestidas, Mayank Mansingh Kaul, Anjana Das

Art/Umfang

Konzeption und technische Implementierung hybrider Setups

Studierende/Studiengänge

alle Studierende des Studienganges Modedesign unter der Leitung von Prof. Franziska Schreiber und Dr. Renate Stauss

Beteiligung InKüLe

Technologisches und räumliches Setup, technische Durchführung der Livestreams und Hybridszenarien

Hardware

streamingkit, streamingkit_mini

Software

OBS, OBS Ninja, Miro

Plattform

stream.udk-berlin.de, youtube

Team

Kameraoperateur (2), Regie (1), Moderation (2),  Auf- und Abbau (5-6)

Begleitet / reflektiert von

Franz Siebler, Fang Tsai (Medientechniker:innen von InKüLe), Jiawen Wang (studentische Mitarbeiterin für diverse technische Realisationen), Aaron Petau (studentischer Mitarbeiter für technische Durchführung der Fashionwalks)

Text

Sabine Huschka, Franz Siebler

Die seit 2020 jährlich stattfindende Konferenz Defashioning Education wurde im September 2023 erstmals von der Universität der Künste in Berlin ausgetragen und konnte nach der Zeit von Corona endlich live vor Ort in Kombination mit digitalen Austauschräumen und Formaten stattfinden. Die sehr gut besuchte zweitägige Konferenz schuf hierzu einen partizipativen Raum des Austauschs unter internationalen Studiengängen im Bereich Modedesign, um Lehrformate und Innovationen zu diskutieren. Der Austausch spiegelte die Vielfalt und Komplexität in der Künstlerischen Lehre wider, die sich in der Diversität von Vermittlungspraktiken und angewandten Forschungszugängen zeigte. Zur Diskussion standen didaktische, pädagogische und erkenntnistheoretische Fragen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Modedesign, ihren Methoden und Werten. Im globalen Austausch miteinander galt es, gegenseitiges Lernen, gemeinsame Forschung und gemeinsames Handeln zu ermöglichen und sich gegenseitig inspirieren zu lassen.

InKüle verantwortete für die gesamte Veranstaltung die technische Konzeption und Durchführung der diversen und oftmals simultan stattfindenden hybriden Vortrags- und Austausch-Szenarios. Hierzu gehörten Livestreams von Keynotes mit anschließenden hybriden Paneldiskussionen (sog. PROVOCATION), diverse hybride Austauschformate und Projektpräsentationen (sog. PAPERSESSION), ein kommunikativ angelegtes installatives Workshopformat (sog. INCIDENTAL QUILT) und mehrere live gestreamte Audio-Walks an verschiedenen Standorten in Berlin (LOCAL GLOBAL FASHION WALK). Einen Überblick des Programms finden Sie hier: files.cargocollective.com

PROVOCATION - Keynotes und hybride Paneldiskussionen

Die sogenannten Provocations fanden in Form von Keynotes und anschließender Paneldiskussion im Konzertsaal der UdK Berlin statt und bildeten Hauptbühne und Herzstück der Veranstaltung. Das Team von InKüLe war für die hybride Implementierung der Vorträge und Diskussionen und dem Livestream zuständig. Ermöglicht wurde dies durch den Einsatz des Streamingkits – eigens von InKüLe entwickelt –, einer Meeting OWL, die an einem Stativ mit zugehörigem Monitor angebracht der hybriden Einbindung der Vortragenden diente. Übertragen werden konnten damit sowohl klassische Formate wie Vorträge oder Filmvorführungen als auch unkonventionelle Formate wie etwa eine hybride Yogasession.

PAPERSESSIONS - hybride Austauschformate und Projektpräsentationen

Die PAPERSESSIONS wurden im Livestream übertragen: Die Vortragenden stellten sich hier gegenseitig ihre Projekte vor und diskutierten hierüber in anschließenden größeren Runden.

Die technische Durchführung arbeitete einen minimalen Aufbau aus, basierend auf einem Logitech Rally Konferenzsystem. Als eine sogenannte 'all-in-one' Technologie ermöglicht sie eine effektive und einfache Kommunikation, die sich vor allem für kleinere oder mittlere Raumgrößen eignet, in denen ansonsten komplexere technische Interventionen oft störend wirken oder schlichtweg nicht realisierbar sind. Wichtig ist jedoch, vorher den gesamten Ablauf der Veranstaltung genau zu überdenken und zu klären, da das System zwar über ein intelligentes Kamera Tracking verfügt, das Redner:innen automatisiert verfolgen und fokussieren kann, jedoch ist dieses technologische System statisch an einen Standort gebunden, so dass gerade Ausrichtung und Aufnahmewinkel der Kamera eingeschränkt sind.

Die Video Regie erfolgte über die mitgelieferte Fernbedienung des Systems. Die Steuerung des Präsentationsrechners und des Streamings wurden über TeamViewer ermöglicht, da TeamViewer, als eine weit verbreitete Software, Fernzugriff auf andere Computer, Dateiübertragungen und Desktop-Fernsteuerungen ermöglicht. Die Software dient damit Benutzern, vom eigenen Standort auf andere Computer oder andere Gerät zugreifen zu können.

LOCAL GLOBAL FASHION WALK – live gestreamte Führungen an Modestandorten von Berlin

Im Rahmen des Local Global Fashion Walks wurden drei verschiedene Events live gestreamt. Zeitlich auf ca. 90 Minuten begrenzt, führten die Walks – live und zugleich hybrid konzipiert – zu verschiedenen Orten in Berlin, an denen in interaktiven Formaten historische oder zeitgenössische Verfahren der Modeindustrie der dort – damalig oder gegenwärtig – ansässigen Firmen diskutiert wurden. Das gesamte Format Walk ist inklusive Reisewege live auf der UDK Streaming Plattform veröffentlicht.

Der Fokus des technischen Setups lag vor allem auf der Portabilität der Geräte, was durch den Einsatz von Smartphones mit mobilem Internet gewährleistet wurde, ergänzt durch ein Rode Wireless Go 2 Mikrofon Set in einem Cage oder Gimbal. Ein Gimbal ist ein mechanisches Aufhängungssystem für Kameras oder auch Drohnenkörper, um diese zu stabilisieren während sich die Geräte selbst bewegen können. Damit dienen Gimbals für stabile und verwacklungsfreie Aufnahmen in verschiedenen Anwendungsbereichen wie etwa Fotografie, Filmproduktion, Luftfahrt, Videografie oder auch Robotik. Mithilfe der Powerbank konnte zudem – fast überall – im Mobilfunknetz live in HD gestreamt werden. Als Software verwendete InKüLe zudem vdo.ninja, die als Webanwendung das Teilen von Live-Videostreams im Internet ermöglicht. Speziell für die Zusammenarbeit bei Produktionen von Livestreams entwickelt, können über vdo.ninja Video- und Audioquellen zwischen verschiedenen Benutzern ausgetauscht werden. Die Software vdo.ninja wurde von InKüLe zudem mit einer virtuellen Kamera verbunden und stellte hierüber einen Stream zum OBS Studio her. Im Gegensatz zu einer tatsächlichen physischen Kamera handelt es sich bei einer virtuellen Kamera um eine Softwareemulation, die auf einem Computer oder einem anderen digitalen Gerät Bildschirminhalte als Videostream ausgeben kann. Vom OBS Studio wurde dann der mobile Stream ins Internet übertragen und zusammen mit den anderen Live Streams auf der eigens erstellten Website eingebettet. In der Praxis ermöglicht gerade die Verbindung von vdo.ninja mit einer virtuellen Kamera, den über vdo.ninja geteilten Live-Videostream als Eingabequelle für die virtuelle Kamera in OBS Studio zu nutzen.

Die Learnings in diesem Format berühren vor allem folgende Aspekte: Bei den benutzten Endgeräten sollte vorher geprüft werden, ob sie die verwendeten Mikrofone einwandfrei unterstützen. Das zentralisierte Setup im OBS Studio ermöglichte es relativ problemlos, zwei mobile Streams parallel zu verwalten. Techniken von Kamera und Licht haben tagsüber bei den benutzten Smartphones (iPhones) absolut überzeugt, nachts indessen sollte man sich überlegen, das Setup um eine mobile Beleuchtung zu erweitern. Ansonsten war das Setup erstaunlich robust, weder auf der Straße, in der U-Bahn, noch in den meisten Gebäuden gab es technischen Probleme.

HYBRID QUILT a community practice
details of the garnments and materials
HYBRID QUILT crafting techniques
HYBRID QUILT digital augmentation with projected media
HYBRID QUILT technical setup

INCIDENTAL QUILT - ein installatives Workshopformat

In dem installativen Workshopformat Incidental Quilt hatten die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, physisch vor Ort und zugleich digital Teile eines großen Textilobjekts (ca. 3,5m x 3,5m) herzustellen und zu gestalten. Kollektiv zu einem großen Hybrid-Quilt heranwachsend – geknüpft und collagiert – entstand während der Konferenz ein großer Quilt,der in einem hybriden Setup mit digitaler 'Zuarbeit' der virtuell zugeschalteten Konferenzteilnehmer:innen stetig erweitert wurde. Dabei wurden vor Ort Stoff, Garn, Farbe und Stempel, Stoffmarker und anderen Materialien zur Verfügung gestellt, mit denen die Besucher:innen durch diverse Crafting-Techniken an einem gemeinschaftlich entstehenden Textil arbeiteten – unter der Anleitung der anwesenden Künstler:innen und Designer:innen. Gleichzeitig hatten die digital zugeschalteten Teilnehmer:innen die Möglichkeit, Segmente des Quilts mit Worten, Symbolen und Bildern überlagernd zu erweitern, um ihre individuellen und gemeinschaftlichen Werte, Gedanken und Emotionen rund um das Thema De-Fashioning als zukünftige Bildungsperspektive einzubringen. Auf diese Weise wuchsen die Quiltsegmente im Laufe der Konferenz – physisch im Raum verortet und digital überlagert – stetig an und vermischten sich mit den projizierten digitalen Beiträgen. Der Incidental Quilt bildete somit eine wuchernde Austauschfläche in kollaborativer und gemeinschaftlicher Zusammenarbeit zwischen einer im physischen Raum verorteten materiellen Handarbeit und einer virtuell, textlich, bildbasierten Gestaltungskraft. Ja, der Incidental Quilt repräsentierte eine hybride Zusammenkunft der Ko-Kreation, die aus dem hybriden Spannungsfeld zwischen Materialität und sprachlicher Textur, Nadel und Maus, Gewebe und Pixel erwuchs. Der Incidental Quilt formte somit eine hybride Conference Community Praxis zwischen den Gründerinnen des Queer Needlework Circle Berlin – Clare Farrell und Yr Jóhannsdottir – und dem Team von InKüLe.

Technischer Aufbau

Mit Traversen-Stativen wurden Kamera und Projektor zentral auf 4 Meter Höhe über dem Arbeitstisch angebracht, um ein Livebild zu erzeugen und ein direktes Feedback der Aktionen vor Ort in den digitalen Raum zu senden. Die digitalen Teilnehmer:innen hatten dabei die Möglichkeit, dieses Livebild zu erweitern: die entstehenden Kommentare und Bilder wurden wiederum durch eine Projektion zurück auf den Tisch gespielt. Als technisches Tool für dieses Kollaborationsformat diente die Komunikationssoftware Zoom, in die die Kollaborationsplattform Miro als App eingebunden war. Um sich aktiv an dem installativen Workshopformat zu beteiligen betraten die Teilnehmer:innen die Zoomkonferenz und konnten automatisch die Interaktionsmöglichkeiten über das eingebettete Miroboard nutzen. Für die Teilnahme war keine Anmeldung oder Accounterstellung nötig, was eine hohe Zugänglichkeit ermöglichte. Das Onboarding indessen geschah in einem vorgeschalteten Bereich, in dem Funktionen und Interaktionsmöglichkeiten dargestellt waren. Zudem gab es die Möglichkeit, mit Personen – im Raum vor Ort anwesend – zu sprechen, womit ein direkter Austausch gegeben war und eine quasi intime Arbeitsatmosphäre herrschte.

Reflexion

Zusammenfassend betrachtet, führte der physische Aufbau vor Ort zu einer spannenden Augmentierung von Informationen, Räumen und Objekten. Das Interaktions-Setup ließ zudem Gefühle der Immersion, Zugänglichkeit und Teilhabe zu. Perspektivisch betrachtet, könnte das Setup des Quilts als Ausgangspunkt für weitere experimentelle Anwendungsformen in der Künstlerischen Lehre dienen. Zu überdenken sind dabei Fragen zum Charakter physischer Aktionen vor Ort und ihrem Angebot, digital zu intervenieren (Für welche Künstlerische Handlung macht eine digitale Erweiterung Sinn?), Fragen zur Gestaltung und Erweiterung lokal-physischer Räume durch Projektionen (Welche Interaktionen erlauben die Projektionen, wie sind sie im Raum verortet?) sowie Fragen zum möglichen Ausgleich des stets gegebenen Gefälles zwischen Digital und Analog (Wie kann dem Digitalen im Physischen und vice versa eine vergleichbare Aufmerksamkeit und Wertigkeit zukommen?).